Lob der kleinen Frau. Für Annette.

Die kleine Frau zu preisen, befiehlt Amor mir klüglich:
"Ich finde diese kleinen Damen ganz vorzüglich.
Zu loben sie, zu lieben sie, das ist mir schlechthin teuer;
sie sind so kalt wie Schnnee und brennen wie das Feuer.

Von außen sind sie kalt, doch brennen sie aus Liebe;
erfreuliche Erscheinungen, vergnügt in dem Getriebe
der Straßen, zu Hause zärtlich, gutgelaunt,
entwickeln Eigenschaften, daß man staunt.

Wie in der kleinen Rose die stärkste Farbe steckt
und wie in wenig Gold man großen Wert entdeckt
und wie im Balsam viel und reicher Duft sich findet -
also aus kleiner Dame sehr Holdes sich entbindet.

die Lerche ist nicht groß; klein ist die Nachtigall,
und dennoch lieblicher klingt ihres Liedes Schall
als großer Vögel Sang. die Frau, die klein ist,
um dessentwillen schon entzückend, süß und fein ist.

Nichts gleicht der kleinen Dame, wenn sie verliebt ist;
sie ist das Paradies, der Trost, wenn man betrübt ist;
sie ist die Lebensfreude, sie ist Genuß und Glück,
und weiß, worauf es ankommt im schönsten Augenblick."

Ich, Isidorus von León, wie an andrer Stell´ berichtet,
bin froh drum, wie Juan Ruiz* einst hier gedichtet,
traf ich doch eine Dame, die Don Amor beschreibt,
und bleibe deshalb in Zukunft wahrscheinlich gut beweibt.

* Juan Ruiz (1283 - 1350): Aus dem Buch der guten Liebe : Altspanische Gedichte über die Liebe. In der Übertragung von Wenzel Goldbaum, München, 1960.
Die letzte Strophe wurde frei umgedichtet von mir. Bei Schiva bedanke ich mich für die Verwendung ihres "Traumzimmers". Das Foto ist von mir. T. Kreutzfeldt

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